Artistic research = Künstlerische Forschung

„Künstlerische Forschung bezeichnet eine spezifische Kunstpraxis … bei der die Künstlerinnen und Künstler selbst als Forschende agieren und ihre Resultate in Form von Kunstprodukten darstellen. Dabei gehen sie von einer konkreten Fragestellung aus und verfolgen einen eigenen erkenntnistheoretischen und methodischen Ansatz, mit dem sie sich sowohl von der wissenschaftlichen Forschung als auch von der allgemeinen Kunst unterscheiden.“  So definieren Corina Caduff* und Tan Wälchli* den Begriff ‚künstlerische Forschung‘ im Vorwort zum sechsten Band des Zürcher Jahrbuch der Künste (2010) „Kunst und künstlerische Forschung“.

Sollte ich die wesentlichen Stationen meiner künstlerischen Entwicklung in chronologischer Reihenfolge betiteln, würde ich es folgendermaßen tun:

Kunst >> wissenschaftsfaszinierte Kunst  >> Science Art  >> künstlerische Forschung

Bis vor einiger Zeit befand ich mich noch im Bereich ‚Science Art‘. Die Erkenntnisse der Neuroästhetik eröffneten mir Wege zur Interaktion zwischen Wissenschaft und meiner Kunst. Die Kenntnisse zur visuellen Wahrnehmung konnten direkt in meine Bilder einfließen, was meine künstlerisches Arbeiten veränderte und erweiterte. ‚Optische Täuschungen‘, bzw. Op-Art wurde zum Schwerpunkt.
Doch über das bloße Anwenden des erlangten Wissens Anderer und die daraus resultierenden Grenzen wollte ich irgendwann hinaus. Es entstand - wie ich finde zwangsläufig – der Wunsch, einen Schritt weiterzugehen. Warum sollte ich nicht auch als Künstlerin forschen können? Zumal es mich reizt, die bisherigen Forschungsergebnisse bezüglich optischer Täuschungen auf den Prüfstand zu stellen und/oder zu verändern. Der PC ist dabei mein Forschungswerkzeug. An das Thema 'künstlerische Forschung' knüpfen sich aber auch für mich als 'Laien-Wissenschaftlerin' viele Fragen, die es zunächst zu beantworten gilt.  Was genau versteht man unter ‚Forschung‘?  Definiert sie sich tatsächlich so, wie ich es mir vorstelle? Können Künstler tatsächlich forschen? Kann ich forschen? Die bloße Idee des 'forschen wollens' ist nur der Anfang des Weges. So lote ich meine Wege und Ziele aus, und lese mich – wie soll’s auch anders sein - mal wieder durch Berge von Literatur (Liste s.u.). Zu meiner Freude entdeckte ich dabei den Begriff ‚künstlerische Forschung‘, der wohl gerade in den letzten Jahren, auch Dank Bologna, heiß diskutiert wird. Ein Glücksfall für mich! Die dazu gefundene Literatur gibt mir Antwort auf meine vielen Fragen und bestätigt mich darin, dieses mir bislang noch unbekannte Terrain zu erkunden. Interessant für mich im Besonderen;
Wissenschaftler verschiedener Disziplinen arbeiten, wie auch speziell in der Neuroästhetik, direkt mit Künstlerinnen und Künstlern zusammen. Das ist bereits seit langem ein großer Wunsch; mit meiner Kunst ein Teil der Forschung zu sein. Nicht nur bildende Kunst, auch Musik und Literatur werden so zur ganz neuen Forschungswelten. Eine Entwicklung, auf deren Fortgang ich mich mit Spannung und großer Neugier freue. Welchen Weg meine künstlerische Forschung geht, wird sich zeigen. Ich werde von Zeit zu Zeit hier berichten und die Ergebnisse zu gegebener Zeit präsentieren.

*Corina Caduff: (*1965 in Chur) ist eine Schweizer Kulturwissenschaftlerin und Literaturkritikerin, Professorin an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK).

*Tan Wälchli: (*1974 in Zürich) studierte Germanistik, Geschichte und Anglistik in Zürich und promovierte 2006 mit einer Studie über "Freud als Leser". Daneben u. a. tätig für das Zürcher Kulturzentrum Rote Fabrik, als freier Journalist, Herausgeber von Kunstpublikationen sowie als Assistent am Englischen Seminar der Universität Zürich.


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