Science-Art

Die Wissenschaft ist der Verstand der Welt, die Kunst ihre Seele“            Maksim Gorkij
Herbert W. Franke*"... ein besonderes Interesse wecken jene Bereiche, in denen Kunst Erkenntnisse und Methoden der Wissenschaft aufgreift und für ihre gestalterischen Zwecke benutzt. Für Aktivitäten dieser Art hat sich der Begriff 'Science Art' eingebürgert…“

Kunst und Wissenschaft – auf den ersten Blick scheint beides, abgesehen von kunsthistorischen, bzw. kunstwissenschaftlichen  Aspekten, für die meisten Menschen nicht viel miteinander zu tun zu haben. Doch wer so denkt, der irrt. Schon frühe kunsthistorische Dokumente belegen das Gegenteil. Dabei denke ich nicht einmal an die ‚profane‘ Tatsache, dass sich Naturforscher gerne der handwerklichen Fähigkeiten eines Künstlers bedienten, um ihre Forschungsergebnisse illustrieren zu lassen. Dass Kunst in ihren Anfängen nichts anderes war, als dekoratives Handwerk, macht ihre historische Entwicklung umso spannender. Das Faszinierendste an einer kunsthistorischen Betrachtung ist für mich, darin eine beeindruckende Form der Dokumentation dieser Welt und ihrer Geschichte zu entdecken. Nichts Anderes spiegelt so sehr und ehrlich die menschliche Entwicklung wieder, wie Kunst. Nichts zeigt uns 'Faun & Flora'  auf so schöne Art und Weise. Besonders in den frühgeschichtlichen Dokumenten ist eine ehrfürchtige Liebe zur Natur deutlich spürbar. Auch von historischen Ereignissen können wir uns Dank vieler erhaltener Kunstwerke 'ein Bild machen'. Ob Höhlenmalerei, Kriegsszenarien, Naturkatastrophen, Portraits oder Krönungen; eindrucksvoll  geben sie Zeugnis der Geschichte unserer Welt. Auch Wissenschaft spiegelt sich in den Arbeiten vieler Künstler wieder.

Das wohl bekannteste und vielleicht häufigste Beispiel für die Symbiose zwischen Kunst und Wissenschaft ist Leonardo da Vinci (1452-1519). Der geniale Maler und Bildhauer schuf nicht nur unvergleichliche Kunstwerke, sondern war auch Architekt, Mechaniker und Ingenieur, Anatom und Naturphilosoph. Er betrieb wie kein Anderer hochintelligente, visionäre Wissenschaft, die Erfindungen hervorbrachte, mit denen er seiner Zeit um mehrere Jahrhunderte voraus war. In seinen Forschungen und Erfindungen sah er selber die logische Fortsetzung seiner Kunst, die er stets mit der Wissenschaft verbunden sah. Er malte um zu verstehen, und forschte um zu malen. Desweiteren ist natürlich auch Michelangelo (1475-1564) zu nennen. Der außergewöhnliche italienische Maler, Bildhauer, Architekt und Dichter fällt ebenfalls unter die Rubrik ‚Wissenschaftskünstler‘. Viele Künstler der Renaissance eigneten sich wissenschaftliche Kenntnisse an, um ihre Werke als intellektuelle Leistung zu definieren, und sich damit von der handwerklichen Einordnung zu distanzieren. Kunst und Wissenschaften gingen eine enge Bindung ein, die aus dem gemeinsamen Bestreben entstand, zu erkennen, 'was die Welt zusammenhält'. Erst zum Ende des 18. Jahrhunderts verfestigte sich die Trennung beider Bereiche und ist seitdem umstrittenes Thema. Glücklicherweise hat sich das Blatt wieder gewandelt, Kunst und Wissenschaft nähern einander wieder an. Während Künstler immer häufiger wissenschaftliche Themen und Techniken reflektieren, gewinnt, vor allem für Natur, bzw. Geisteswissenschaftler, das künstlerische Arbeiten an Bedeutung.                                                                                             Kunst und Wissenschaft haben sich, trotz Trennung, seit jeher zumindest beeinflusst. Historisch betrachtet kann man feststellen, dass immer einhergehend mit epochalen Erkenntnissen der Wissenschaft, auch die Kunst bedeutende Veränderungen erlebte. Meiner Meinung nach sind die Grenzen beider Bereiche häufig fließend. Nicht selten kann Kunst als Wissenschaft oder Wissenschaft als Kunst angesehen werden. Sind demnach Künstler [auch] Wissenschaftler und Wissenschaftler [auch] Künstler? Ich möchte das bejahen, allerdings nicht pauschalisierend. Zumindest trifft es aber auf Künstler zu, die in ihren Werken nicht nur ein ästhetisches Produkt sehen, sondern einen intellektuellen Hintergrund verfolgen. Kunst ist immer auch Intelligenz, und Intelligenz sucht Wissen.


"Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. Es ist das Grundgefühl, das an der Wiege von wahrer Kunst und Wissenschaft steht. Wer es nicht kennt und sich nicht mehr wundern kann, der ist sozusagen tot und sein Auge erloschen."  Einstein

Einsteins Zitat ist für mich das zutreffendste zum Thema Kunst und Wissenschaft. Ich wundere mich gerne, und empfinde es nicht zuletzt als gewichtigen Anteil meiner Lebensfreude und -qualität. Ich kann nicht verstehen, dass es so viele Menschen gibt, die sich nicht mehr wundern. Wie oft hört man "ich wundere mich über gar nichts mehr", oder "wundert Dich das etwa?". Erschreckend,, und für mich ein Ausdruck von Resignation und/oder Bequemlichkeit. Sich wundern heißt für mich, einen neugierigen Blick auf eine Welt zu haben, deren Teil man ja schließlich ist - wenn auch nur ein winzigst kleiner. Ob als Kind nächtens auf der Fensterbank, den Blick gen Himmel gerichtet, oder heute bei Spaziergängen durch die Natur, oder der Beschäftigung mit wissenschaftlichen Themen, oder ganz alltäglichen Dingen - daran hat sich nichts geändert. Für mich ist der Moment des Wunderns immer eine Art 'mentaler Startschuss'. Das äußert sich darin, alles zu hinterfragen. Was tägliche Recherchen im Internet und Printmedien zur Folge hat. Dies ermöglicht mir, vieles besser zu verstehen, und bedeutet eine spannende Reise in die Welt des Wissens. Eine Welt, die genauso die Erhabenheit der Natur verdeutlicht, wie sie die geistige, moralische und technische Entwicklung des Menschen widerspiegelt - in jeglicher Hinsicht. Das Besondere für mich daran ist, dass es einen realistischen Blick in die Zukunft zulässt. Wie mag die 'Welt von Morgen' aussehen? Wie in 30, 50, 100 Jahren? Visionäres Denken liebe ich, für mich eine niemals langweilige Angelegenheit! Die Wissenschaft hat sich vielerlei Fragen, Problemen und Herausforderungen zu stellen, die mitunter in ganz erheblichem Anteil unser Weltgeschehen bestimmen. Daher sollte sie zwar begeistert, aber genauso kritisch betrieben und beobachtet werden.

Meine Arbeit als Künstlerin gibt mir Raum, den vielen Fragen und Themen, die mich beschäftigen, Ausdruck zu geben, sie darzustellen, zu verdeutlichen. In der Kunst ist im Gegenteil zur Realität [fast] alles möglich, so dass sie bisweilen sogar Grundlage, bzw. Anstoß wissenschaftlicher Projekte sein kann. Aus meinem leidenschaftlichen Interesse für Wissenschaft speist sich inzwischen mein nicht minder leidenschaftlicheres künstlerisches Schaffen - und veränderte es. Waren meine Arbeiten zu Beginn eher von weichen Konturen geprägt, durchdringt das Experimentieren mit klaren Formen und Linien sowie Farben  meine Bilder immer stärker, je tiefer ich in die Wissenschaften dieser Welt eintauche. Auch Symmetrie und Perspektiven spielen eine immer wichtigere Rolle.                                                                    Als Künstlerin und ‚WissensSüchtige‘ bin ich inzwischen ständig auf der Suche nach Interaktionsmöglichkeiten, um über eine wissenschaftsfaszinierte Kunsterschaffung hinaus gehen zu können. Zunächst ist natürlich schon die Verwendung von Soft- und Hardware als Gestaltungsmittel meiner Kunst eine ganz grundlegende Interaktion. Ohne die Errungenschaften in der Mathematik und Technik wäre meine ‚Art‘ schlichtweg gar nicht machbar. Im Prinzip ist die Verwendung elektronischer Medien nichts anders als die Anwendung reinster Mathematik und meine Bilder im Grunde nichts anderes als ein binärer Code.                                                                                                                                                         Bereits in den Jahren ‚vor meiner Kunst‘ befasste ich mich intensiv mit unterschiedlichsten wissenschaftlichen Bereichen; Philosophie, Architektur, Luft- u. Raumfahrt, Astronomie, Germanistik, Geschichte, Soziologie, Psychologie, Pädagogik u.a. Es gab eigentlich nichts, was mich nicht interessierte. Aber im Laufe der Zeit kristalisierte sich ein besonderer Schwerpunkt heraus; die Neurowissenschaften. In Verbindung mit Kunst entstand immer mehr der Wunsch, darin interdisziplinäre Ressourcen zu erschließen. So entdeckte ich eines Tages die Neuroästhetik, und wusste, das ist es! Kunstschaffen und Kunstbetrachtung auf neurobiologischer Basis bietet mir, wonach ich suchte. Was ich mir bisher dazu an Wissen aneignen konnte, prägt meine Kunst maßgeblich. So definiert sich für mich Op-art über das Thema Wahrnehmung für mich ganz neu. Dass Op-Art auch noch in engem Zusammenhang mit der Computerkunst zu sehen ist, stellt einen weiteren interessanten Aspekt dar. 

Meine Tätigkeit als Mitarbeiterin der RWTH Aachen University hat ebenfalls einen nicht unerheblichen Einfluss auf mein künstlerisches Arbeiten. Das Bewusstsein, mich an einem solchen, besonderen Ort ‚pulsierenden Wissens‘ zu befinden, und ein Teil dieser angesehenen Universität zu sein, inspiriert mich immer wieder. Mit großem Interesse verfolge ich Forschung und Lehre hiesiger Wissenschaftler. Zu meiner Freude fand im Januar 2010 ein Impuls-Workshop zum Thema Neuroästhetik [im Rahmen der Exzellenzinitiative] unter Leitung von Fr. Prof. Karin Herrmann statt, die so freundlich war, mir ein Exemplar der anschließend veröffentlichten Proceedings zu überlassen. Dafür an dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank!

Besonderer Hinweis: Auf der Suche nach konkreten Anknüpfungspunkten zur Wissenschaft möchte ich diese Homepage auch nutzen, um interessierte Forscher verschiedenster Bereiche anzusprechen. Über einen direkten Austausch würde ich mich sehr freuen. Bitte zögern Sie nicht, mich zu kontaktieren.


* Herbert W. Franke, Dr.: *1927 in Wien, studierte Physik, Mathematik, Chemie, Psychologie und Philosophie, promovierte in Philosophie. Lehrauftrag f. kybernetische Ästhetik u. Computerkunst an der Univ. München (1973–1998), später für Computergrafik an der Akademie der Bildenden Künste München (1984–1998).
*Ernst Pöppel, Prof. *1940 in Schwessin, Pommern,  ist ein deutscher Psychologe.


Literatur- und Linkliste:                                                         


  • *Karin Herrmann [Hrsg.]: Neuroästhetik : Perspektiven auf ein interdisziplinäres Forschungegebiet   ; Beiträge des Impuls-Workshops am 15. u. 16. Januar 2010 in Aachen. - Kassel, 2010. - (Studien des Aachener Kompetenzzentrums für Wissenschaftsgeschichte ; Bd. 10). - ISBN 978-3-89958-996-2    
  • Malend zur Erkenntnis: Aus der Kunst wird Wissenschaft