Science-Art
Neuroästhetik
2008 wurde das Londoner Institute of Neuroesthetics gegründet. Begründer ist Semir Zeki, Neurobiologie und seit März 2008 der erste Professor für Neuroästhetik am University College London. Lt. Vilayanur S. Ramachandran* wurde von ihm der Begriff 'Neuroästhetik' erfunden, um „Philosophen und Geisteswissenschaftler zu ärgern“.
Kurze Zeit später, ebenfalls 2008, wurde an der Berliner Charité der gemeinnützige Verein Association of Neuroesthetics - a Platform of Arts and Neuroscience gegründet, Initiator und Ansprechpartner des Vereins ist Alexander Abbushi, Arzt an der "Klinik für Neurochirurgie" am Virchow-Klinikum der Berliner Charité. Ernst Pöppel und Semir Zeki sind Gründungsmitgliedern.
Abbushi definiert ‚Neuroästhetik‘ kurz gefasst wie folgt: "Erforschung der neurologischen Grundlagen von Kreativität, Ästhetik und Kunstwahrnehmung und subjektiven Bewusstseinszuständen wie Liebe, Hass, Schönheit." D.h., sie versucht kreative Prozesse als Ausdruck der Hirnfunktionen zu verstehen und ästhetische Wahrnehmung auf neurobiologische Grundlagen zurückzuführen sowie durch die Betrachtung künstlerischer Arbeiten Erkenntnisse über die Organisation des Gehirns zu gewinnen. Ein wichtiges Ziel ist auch heute noch, die Ergebnisse Künstlern zur Verfügung zu stellen und so beide Seiten zusammenzubringen. Forschungen der Neurobiologie zur Ästhetik erfreuen sich verständlicherweise auch eines großen Interesses mancher Industriezweige, wie Design oder Werbung, die durchaus wirtschaftlichen Nutzen aus diesen wissenschaftlichen Studien ziehen können.
Von der Kunstwelt wird Neuroästhetik zweigeteilt aufgenommen, von einigen Künstlern scharf kritisiert. Offenbar befürchten sie, dass Erkenntnisse der Neurowissenschaft die Kunst end-mystifizieren' könnten, sollten sich Kunstwerke tatsächlich als neurobiologisches Produkt herausstellen. Aber da sagt Alexander Abbushi ganz klar, "es gehe nicht darum die Kunst auf eine Formel zu reduzieren, sondern mehr über sie zu erfahren."
Doch es gibt auch Befürworter, zu denen zähle ich mich ebenfalls, die es spannend und durchaus konstruktiv finden, wissenschaftliche Erkenntnisse der Neurowissenschaft in ihre künstlerische Arbeit einfließen lassen zu können. Zudem steht außer Frage, dass sich einige der ganz großen Künstler bereits, ohne es zu wissen, mit neurobiologischen Aspekten befasst haben. Semir Zeki nennt als ein Beispiel Picasso; der habe mit seinen Überlegungen zu bestimmten Darstellungsmöglichkeiten im Kubismus, eigentlich nichts anderes gemacht, als sich mit dem neurobiologischen Problem der Formenkonstanz zu beschäftigen. Einige Künstler des Abendlandes befassten sich mit den Schriften des arabischen Mathematikers Alhazen zur Optik, Lichtbrechung und -reflexion, wodurch sie Kenntnisse erlangten, die es ihnen ermöglichte die perfekte Illusion eines dreidimensionalen Raumes zu inszenieren.*1
*Vilayanur S. Ramachandran: (geb. 1951) Direktor des 'Center for Brain and Cognition' in San Diego und Professor für Psychologie und Neurowissenschaften an der University of California
"eMotion" Das psychogeografisch kartierte Museum: Ein spannendes Projekt des Instituts für Design- und Kunstforschung der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel, wurde unter der Leitung des Kulturwissenschaftlers Prof. Dr. Martin Tröndle durchgeführt. Grundlage waren dabei experimentell an Besuchern des Kunstmuseums von Sankt Gallen durchgeführte Messungen. Die freiwilligen Teilnehmer trugen dazu ein Messgerät in Form eines Armbandes, das vielerlei Daten erfasste wie z.B. Gehgeschwindigkeit, Verweildauer, Wegwahl, emotionale und kognitive Reaktionen. Unterstützt wurde die Auswertung dieser Daten durch eine zusätzliche Befragung der Testpersonen. Ziel ist es, die "psychogeografische Wirkung" der Räumlichkeiten und Kunstobjekte auf Besucher zu analysieren. Für mich ist daran besonders interessant, dass hier Interaktion von Wissenschaft & Kunst eine transdisziplinäre Studie ermöglichte. Ergebnisse hier
attached to the Wellcome Laboratory of Neurobiology (Vislab)
(Leiter: Prof. Semir Zeki) - at University College London
Dort werden laufend einige meiner Op-Art-Bilder präsentiert:
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- *1: Birgit Fenzel: Wissenschaft aus der Werkstatt . - MaxPlanck Forschung. - H. 2.2012
- Schönheit liegt im orbitofrontalen Kortex des Betrachters Der Standard.at / 08. Juli 2011
- Tomohiro Ishizu, Semir Zeki: Toward A Brain-Based Theory of Beauty PLoS ONE 6(7): e21852 doi: 10.1371/journal.pone.0021852
- Beatrice Wagner: Warum Künstler wie Wissenschaftler ticken. - 03.08.2010, Weltonline
- *Karin Herrmann [Hrsg.]: Neuroästhetik : Perspektiven auf ein interdisziplinäres Forschungegebiet ; Beiträge des Impuls-Workshops am 15. u. 16. Januar 2010 in Aachen. - Kassel, 2010. - (Studien des Aachener Kompetenzzentrums für Wissenschaftsgeschichte ; Bd. 10. ISBN 978-3-89958-996-2.
- Martin Dresler: Neuroästhetik. Kunst – Gehirn – Wissenschaft. - Seemann: Leipzig, 2009. 144 S., 43 farb. u. 41 S/W-Abb. - ISBN 978-3-86502-216-5
- Sibylle Salewski: Wissenschaft des Schönen : flüchtige Anmut ; Erogene Zonen des Gehörs: Wie Wissenschaftler versuchen, Schönheit zu messen. - Der Tagesspiegel, 14.05.2008
- Svenja Flasspöhler: Wie viel Ästhetik braucht der Mensch?
Monopol, 29.04.2010
- *1Vilayanur Ramachandran: Eine kurze Reise durch Geist und Gehirn. - Rowohlt, 2005. - ISBN: 9783499619878
- Zeki, Semi: Glanz und Elend des Gehirns : Neurobiologie im Spiegel v., Kunst, Musik u. Literatur / aus d. engl. v. Ulrike Bischoff. - München [u.a.]: Reinhardt, 2009. - ISBN 978-3-497-02119-2
- Niklas Maak: Ich messe das, was du nicht siehst : Neuroästhetik und Naturwissenschaften. FAZ, 22.10.2009
- Nachlese: Symposium "Bildwelten - Weltbilder" . - 0ktober 2009
- "Das Sehen ist eine Konstruktion": Interview mit Ernst Pöppel und Olafur Eliasson, gef. v. Tim Ackermann. - Welt am Sonntag, 12.04.2009
- 'Neuro-Ästhetik und Kunst-Schönheit(en)': empfehlenswerter Leserartikel v. Werner Hahn
Die Zeit. - 08.07.2008
- Heureka, ich hab`s gefunden: von Ernst Pöppel. - Manager-Magazin. - 23.02.2005
- Visuelle Ästhetik vs. visual computing : Markus Mangor
- Neurobiologie der Schönheit - Handelsblatt: 24.07.2008
- Verändert Schönheit unser Gehirn? - FAZ: 02.07.2008
- Was Neurobiologen sehen, wenn sie Kunst sehen - FAZ: 13.06.2008
- Im Nebelgebiet des Geistes - 05.06.2008
- Die Neuroesthetik fragt, was Menschen als schön empfinden - Märkische Allgemeine Zeitung: 22.05.2008
- Kunst ist ein Neuronenfeuer - Die Zeit: 15.05.2008
- Beim Gründungskongress der Neuroästheten - Der Tagesspiegel: 10.05.2008
- zahlreiche Volltext-Fachartikel (teilw. in ital. sprache)
- Literaturverweise auf Special-issues und Bücher
- "The Journal of Neuroesthetics" (in Kürze)