Wahrnehmung

Kunst & Wahrnehmung
Sinnlichkeit & WissenschaftDSC02941g5
Das Thema Kunst, insbesondere Kunstwahrnehmung kann man mit philosophischem Auge betrachten, aber auch neurowissenschaftlich verstehen und erforschen. Diesen Kontext finde ich unglaublich spannend. Er bildet eine wichtige Schnittstelle zwischen Kunst & Wissenschaft in meinen Bildern und eröffnete mir eine neue (Kunst)Welt.

Unter dem Begriff Wahrnehmung versteht man die Fähigkeit, Sinnesreize zu erkennen, zu unterscheiden und durch Vergleichen mit früheren Erfahrungen zu interpretieren. Letzteres erfolgt im Gehirn. Dazu generiert es basierend auf allen ihm zur Verfügung stehenden Informationen fortlaufend ein Modell der Wirklichkeit, welches je nach Beobachter unterschiedlich ausfällt. Dabei spielen der jeweilige  (kulturelle) Standpunkt, Kenntnisse, Fähigkeiten und Erwartungen eine wichtige Rolle. Das jeweilige Modell ist für uns die Realität, die wir wahrnehmen, wenn wir sehen. Nach diesem Prinzip finden wir uns in unserer Umwelt wunderbar zurecht.

Der komplexe Prozess der Wahrnehmung läuft in der Regel unterbewusst ab, so dass wir uns nur selten Gedanken darüber machen. Man könnte ihn auch als eine  Art Autopiloten unseres Gehirns bezeichnen.

Er steuert unsere Bewegungsabläufe genauso wie unser Denken. Da mich dieses Thema vor allem im künstlerischen Kontext interessiert, habe ich mich speziell der visuellen Wahrnehmung zugewandt. Fast 80 % aller Informationen aus der Umwelt liefern uns die Augen. Dabei sind sie nur ein Teil des komplexen Systems visueller Wahrnehmung. Die neurowissenschaftlichen Erkenntnisse über die Funktionen unseres Gehirns führten auch zu einer neuen Definition des Sehens. So bezeichnet Semir Zeki* unser Sehen im Wesentlichen als eine Form des Denkens. Doch wie funktioniert das eigentlich genau? Kurz und verständlich habe ich diesen Prozess im folgenden Abschnitt zusammengefasst.

Durch Iris und Linse gelangen alle optischen Informationen zunächst auf die Netzhaut. Dort beginnt die neuronale Bildverarbeitung. Die Netzhaut ist ein Teil der Großhirnrinde. Sie besteht aus insgesamt fünf Neuronenschichten, die eingehende Reize nach Wichtigkeit selektieren und für die Weiterreise in elektrische Impulse verwandeln. Über den Sehnerv werden die Signale aus dem Auge heraus zum eigentlichen ‚Erkennungsdienst‘ weitergeleitet. Die erste Station sind die Kniekörper. Hier werden die eingehenden Informationen, aufgeteilt nach Farbe, Form, Bewegungs- und Rauminformationen, über Synapsen zur Sehrinde geschickt, einem Teil des visuellen Cortex. Dort werden die Eigenschaften des Reizobjektes analysiert und mit bereits gespeicherten Informationsmerkmalen abgeglichen, um den Prozess des Erkennens mit der Erinnerung zu verknüpfen. Das alles geschieht blitzschnell und von uns unbemerkt. Wir registrieren bewusst nur das Ergebnis; das ‚fertige Bild‘. Ein ausgesprochen leistungsstarker Vorgang, der da abläuft, während wir entspannt ein Kunstwerk betrachten. Eine faszinierende, aber auch abstrakte Vorstellung. Kunst, egal ob aus der Perspektive des Schaffenden oder der des Betrachters gesehen, ist demnach nichts anderes als ein Wahrnehmungsprozess.

Während der Kunstschaffende Wahrnehmungsstrukturen wie Helligkeit, Farbe, Kontrast, Linien, Form u. Gestalt, Bewegung u. Räumlichkeit gestaltet,  fällt dem Kunstbetrachter die Rolle des ’Empfängers‘ dieser Sinnesreize zu.

So weit so gut, könnte man denken. Was aber, wenn das betrachtete Bild nicht den gängigen abgespeicherten Informationsmerkmalen entspricht? Denn gerade Kunst hält sich ja nicht unbedingt an die Abbildung von Realität. So ist beispielsweise Op-art eine Kunstform, die den Betrachter auffordert, traditionelle Sehmuster aufzubrechen; widersprüchliche Hinweisreize leiten das Gehirn in die Irre. Was also passiert, wenn wir keine, oder nur unzureichende Erfahrungen mit bestimmten Sinneseindrücken haben? Näheres dazu können Sie im Bereich Op-Art erfahren.

Gut gefällt mir folgende These eines Psychologen der Univ. Liverpool, Richard Letto zur Wahrnehmung abstrakter Kunst. Er geht davon aus, dass sie den Betrachter, aufgrund eines speziellen Mechanismus im Gehirn, mit guten Gefühlen belohne. Ausgelöst werde dies seiner Meinung nach, weil die abstrakten Linien, Formen und Flächen einen starken Stimulus für die Sehnerven darstellen. Dieser Vorgang aktiviert anscheinend das Belohnungszentrum, welches daraufhin Dopamin ausschüttet.

Wissenschaftler des Forschungszentrums Jülich sowie der Universität Düsseldorf und der RWTH Aachen fanden heraus, dass die Sehzentren von Mann und Frau Unterschiede aufweisen. Dies führt wahrscheinlich zu verschiedenen Strategien der Geschlechter bei der Orientierung. Bei der mikroskopischen Untersuchung fanden die Wissenschaftler Unterschiede in den Arealen, die für das Erkennen von Bewegungen zuständig sind. Manche Bereiche waren bei Frauen, manche bei Männern größer. Karin Amunts** erklärte dazu: „Ein größeres Volumen könnte dem Gehirn mehr Raum geben, um an dieser Stelle zusätzliche Informationen zu verarbeiten und sich Bewegung räumlich vorzustellen. Dies müsse jedoch nicht bedeuten, dass Männer etwas besser können als Frauen oder umgekehrt. Sie weisen eher darauf hin, dass sie unterschiedliche Strategien haben, um zum Ziel zu kommen, also verschiedene Vernetzungen im Gehirn nutzen“.

Zu dem Ergebnis dass Frauen Kunst anders betrachten als Männer, kam eine Forschergruppe der Universität Palma de Mallorca.

Jeweils 10 Probanden sollten städtische und ländliche Szenerien als ‚schön, bzw. ‚nicht schön‘ einstufen. Während die Männer dazu ausschließlich die rechte Hemisphäre nutzten, waren bei Frauen beide Gehirnhälften aktiviert. Die Studie mit Hilfe eines Magnetenzephalographen ergab, dass davon die Bewertung im Gehirn und nicht die unmittelbare Wahrnehmung betroffen war.
Das passt, denn die Neurowissenschaften gehen schon länger davon aus, dass auch die Einteilung räumlicher Beziehungen Geschlechterunterschiede aufweist. So nehmen Frauen eher eine kategorische Aufteilung nach vorne, hinten, oben, unten, innen und außen vor, was eher in der linken Hirnhälfte geschieht. Während Männer exakte Distanzen zwischen den betrachteten Objekten wie in einem Koordinatensystem abspeichern, für das wiederum vorrangig die rechte Hemisphäre zuständig ist.

*Semir Zeki: engl. Neurobiologe, mit Forschungsschwerpunkten im Bereich Visuelles System, der visuellen Wahrnehmung durch das Gehirn, sowie den neurobiologischen Grundlagen für Kunst und Ästhetik, Prof. für Hirnforschung am Univ. College London
**Univ.-Prof. Dr. med. Katrin Amunts, Professorin für „Strukturell-funktionelles Brain Mapping“ in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, RWTH Aachen und Direktorin des Instituts für Neurowissenschaften und Medizin, INM-1, FZ Jülich

Literatur- u. Linkliste

  • Das Auge schaut voraus, das Gehirn denkt nach : Neurowissenschaftler präsentieren unerwartete Erkenntnisse über das Sehen : Frank Bremmer [u.a.] 06.02.2012 / Philipps-Universität, Marburg. – Originalveröffentlichung: Adam P. Morris & al.: Dynamics of Eye-Position Signals in the Dorsal Visual System. Current Biology 22 (7. Februar 2012), pp 1–7, doi:10.1016/j.cub.2011.12.032
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21/04/201621/04/2016
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Anfrage für ein Buchcover

23/01/201623/01/2016
Juchheee!!! Ich liebe es, wenn sich im Mailfach eine schöne Überraschung in Sachen Kunst öffnet. Ich habe eine sehr erfreuliche Anfrage einer Autorin bekommen. Sie möchte gerne eines meiner Computerkunstbilder für die Covergestaltung eines Psychologiefachbuches nutzen. Es erscheint im Herbst. Und natürlich bin ich damit einverstanden!!!! Allerdings hat der Verlag das letzte Wort, Bleibt also abzuwarten, was daraus wird.

London I’m coming!

09/11/201509/11/2015
Einladung aus London, was für eine Überraschung am Montagmorgen! Eine Galerie im derzeit angesagtesten Viertel der Stadt möchte im nächsten Jahr meine Computerkunst ausstellen. Demnächst in meinem Blog mehr dazu. I'm so happy!!!

Neue Bildergalerie

04/10/201504/10/2015
Seit heute gibt es eine neue Bildergalerie mit dem Namen 'Konkrete Kunst'. Schauen Sie in mein Portfolio!

Webseite, die Dritte

06/09/201506/09/2015
Seit einigen Tagen ist sie online; meine dritte neue Webseite. Mein Fotoportfolio ist im Laufe der Zeit gewachsen. So entschied ich mich, zwei getrennte Homepages dazu ins Netz zu stellen. So gibt es jetzt eine Seite zur Architektur- und Reisefotografie und eine Seite zur Naturfotografie.  Haben Sie Interesse? Besuchen Sie mich dort.

Neue Hauptseite zum Higgs-Kunst-Projekt

06/09/201406/09/2014
Endlich habe ich das gemacht, was schon lange überfällig war. Mein Higgs-Kunst-Projekt hat eine Hauptseite bekommen. So ist keine Sucherei in meinem Blog mehr nötig. Schnell und einfach können Sie sich nun über entsprechende Beiträge und den Fortschritt des Projektes informieren. Auch mein Portfolio ist um eine Galerie reicher. Dort finden Sie alle HiggsKunst Bilder mit einem Klick.